Dienstag, 27. Oktober 2009

Kleinsein

Laut meines Ausweises bin ich 1,59m groß. Das ist gelogen. Ich bin nämlich nur 1,58m groß (klein). Und das war mit 15, also beim Beantragen des Ausweises, nicht anders als heute, mit 21. Und mit 13 war es auch nicht anders. Denn vor kurzem bin ich zu Hause auf ein Kommunionsbild meines kleinen Bruders gestoßen, auf dem ich tatsächlich eine Jeans trage, die ich noch heute im Schrank hab und die mir immer noch passt. Hier sind wir jetzt schon bei einem Vorteil, den das Kleinsein und das Nicht-wachsen mit sich bringt: Kleider kauft man und kann sie tragen, bis sie kaputt sind oder modisch einfach... untragbar werden. Aber das ist ein schwacher Trost gegenüber der vielen Nachteile, denen man im Laufe der Zeit so begegnet.
Ich hab mir mal die Mühe gemacht, eine Liste zu erstellen mit den - mehr oder weniger banalen - Hindernissen, die sich einem in den Weg stellen:

1. das Konzert Problem. Das ist nun wirklich eher banal und auch nicht durch und durch ein Nachteil. Aber auf Konzerten (oder in Menschenmengen allgemein), ist man oft hilflos zwischen Rücken und Schultern eingeklemmt und sieht vom Konzert schlichtweg nichts mehr. Der Vorteil: wenn man es schafft, sich in die erste Reihe durchzuzwängen, hat meist keiner was dagegen. Man versperrt nämlich keinem die Sicht.

2. das Karriere Problem. Das ist nun weniger persönlich, aber doch immer wieder ein wenig deprimierend: Polizist, Soldat, Pilot... all das könnte ich bei meiner Größe nicht werden. Hier zum Beispiel die Einstellungskriterien der Polizei. Und hier die der Bundeswehr (zumindest für den Sanitätsdienst würde es für mich nicht mehr reichen). Ich dürfte auch keine Pilotin werden (1,65m als Mindestgröße) und auch keine Flugbegleiterin (1,60m).
Nun, will ich auch ehrlich gesagt alles gar nicht werden. Bloß Lehrerin. Allerdings fürchte ich da, dass mir schon die Schüler in der fünften Klasse auf den Kopf spucken können...

3. Gutes tun! - Problem. Ich hatte mir echt mal überlegt, mich bei einer Blutspende-Organisation anzumelden. Denn schließlich könnte man so Menschen helfen und Leben retten und der ganze Plan schien mir unglaublich sozial und so. Tja, bis ich auf der Webseite den Hinweis las, dass man mindestens 50kg wiegen muss. Und die hab ich bei der kleinen Größe auch nicht. Und nur noch mehr Nutella essen, um Blut spenden zu können, möchte ich meinem Blutzuckerspiegel nicht unbedingt zumuten.

4. Ausweis bitte!! - Problem. Nun, ich glaube, das kennen viele junge Leute, auch wenn sie nicht so klein sind wie ich. Wenn man Alkohol kaufen will oder in einen Club rein möchte, wird man nach dem Ausweis gefragt. Als ob man aussieht, als sei man noch keine 18!!! Jaja. Nun, als ich im Supermarkt stand und zwei Weinflaschen kaufen wollte, lächelte die Kassiererin mitfühlend an und meinte: "Bist du denn auch schon 16?" . Aber ich will ja nicht meckern. Auch da gibt es durchaus Vorteile. Auf der sündhaft teuren Eisbahn in Winchester bin ich stundenlang zum halben Preis Schlittschuh gelaufen, because "you're not 16 yet, right?" Da sagt man dann ja gerne: "No, I'm not."

5. Die aufmerksamen Großeltern-Problem. Bei uns gab es früher dieses Ritual, dass wir an Heilig Abend bei meinen Großeltern zu Besuch waren und dann, nach dem Essen, von meinem Opa gemessen wurden. Jedes Jahr, um die Fortschritte der Enkelkinder in Richtung "groß!!!!"-werden an der Wand mit Bleistiftstrichen und Größenangabe festhalten zu können. So mit 16, 17 fand ich das irgendwann nicht mehr lustig. Meine Brüder machten regelmäßig wahnsinnige, zum Teil gar zweistellige Sprünge, während ich auf der Stelle blieb und der Platz für neue Bleistiftstriche auf meiner Höhe knapp wurde. Das war verdammt frustrierend, was ich wohl auch nicht ganz verbergen konnte. Besonders furchtbar war dann, als mein Opa plötzlich die 1,59m verkündete, die aber Zeit meines Lebens einen entscheidenen Zentimeter von mir entfernt sein werden. Ich glaub, er hats einfach nur gut gemeint. Meine Oma, mittlerweile recht vergesslich, hat das Ganze mittlerweile aber vollkommen verinnerlicht und verpasst, dass ich mich sogar recht gut mit den 1,58m abgefunden habe. Haben wir uns längere Zeit nicht gesehn, mustert sie mich bei Besuchen immer von oben bis unten und sagt ganz erstaunt und in diesem gestellt-ich-meins-ernst-Tonfall: "Isabel, ich mein, du bist gewachsen!! Doch doch!" Nein, leider nicht, Oma.


Aber wie gesagt: manchmal hat es auch seine Vorteile, die sogar meist finanzieller Natur sind. In der Kinderabteilung passt mir unter umständen noch Größe 152, was erheblich billiger ist als Größe 34 bei den Damen. Und auf der Raststätte, wo es neben der Schranke mit Geldeinwurf einen für Kinder ausgeschnittenen Durchgang zu den Toiletten gibt, nutz ich doch einfach den. Ist für mich wie gemacht.
Achterbahnfahren dürfte ich sicher auch nicht immer so leicht. Aber das sehe ich für mich persönlich jetzt nicht wirklich als Nachteil. Da kann ich ganz gut drauf verzichten, glaub ich.
Es fällt allerdings schon auf, dass man ein wenig unter der Norm rumdümpelt und das nicht immer lustig ist. Unsere Mikrowelle kann ich zum beipsiel auch nicht bedienen. Die steht auf dem Kühlschrank und das sind Höhen, die ich nur mit Leiter erreichen könnte.

Bleibt nur noch zu erwähnen, dass ich nicht nur klein, sondern auch noch Linkshänder bin, was auch manchmal verdammt nervig sein kann. Aber das wäre wieder ein Blogeintrag für sich. Little by little...


Isabel

currently listening: Radiohead- Bulletproof (I wish I was...)

Freitag, 2. Oktober 2009

One in a Googolplex: Just like you

Achtung!!! Werbung in eigener Sache!

One in a Googolplex: Just like you

One In A Googolplex - Just Like You

Sonntag, 27. September 2009

Triathlon

Dieser Blog soll ja dazu dienen, dass wir über Sachen schreiben können, die entweder Sebastian oder mich (oder uns beide) beschäftigen. In erster Linie sind das Musik, Filme, Literatur... diesmal ist es ein Triathlon. Denn zu behaupten, der hätte mich in den letzten Wochen/Monaten nicht beschäftigt, wäre eine glatte Lüge. In einem Anfall von Euphorie und Ehrgeiz hatte ich mich vor einiger Zeit zum Dossenheimer "Jedermann-Triathlon" angemeldet. Ohne so recht zu wissen, was ich da eigentlich mache. 300m Schwimmen. 24 km Rad. 5 km Laufen. Alles gut zu schaffen, eigentlich. Der Versuch, in innerhalb von ein paar Wochen den Freestyle zu lernen, scheiterte schonmal. Ein Rennrad hatte ich, aber laufen ging ich bis dahin aus Prinzip nicht. Boah ich hasse es. Musste dann auch feststellen, dass ich eine geschlagene halbe Stunde für 5 km brauchte. Dank toller Trainingsunterstützung durch einen Freund habe ich es auf unter 28min gepackt. Aber mal im Ernst: wie läuft man sowas in knapp 20 min??? Egal. Beim Laufen ist eigentlich das schlimmste, dass man meist mit seinen Ohrstöpseln losrennt und denkt: "geil, mit der Musik klappt das ja super!" -Aber spätestens nach nem halben Kilometer fliegen mir die Dinger permanent aus den Ohren und ich fluche und werde langsamer und friemle für einen weiteren halben Kilometer hoffnungslos dran rum bis ich schließlich aufgebe, weiterlaufe und weiterfluche und das für meinen Abbau vom Hass aufs Laufen nicht gerade förderlich ist.
Mein Training für den Triathlon verlief mehr oder weniger anständig. Ich hab mir schon viel Mühe gegeben. Hab das Laufen gemieden, das Rad fahren genossen und das Schwimmen... naja. Ich wusste, dass ich im Brustschwimmen echt noch anständig schwimme. Aber der Gedanke, dass mir die anderen mit Freestyle locker schon gleich zu Beginn ein paar Minuten abholen würden, war nicht gerade ermutigend. Gott sei Dank stellten sich so manche Bedenken im Laufe des eigentlichen Wettkampfs als unbegründet heraus:
Ich war nicht die einzige, die Brustschwimmen machte. Ich war sogar schneller als so manch einer, der sich beim Freestyle abmühte. Ich hatte keinen Platten beim Rad, obwohl die Landstraßen nicht gerade sauber waren. Ich bin nicht gestorben und ich bin nicht letzte geworden (nur fast, aber egal). Ziel erreicht.
Die meisten Leute waren aber fernab vom "jedermann"-Status. Die meisten hatten jahrelange Triathlon-Erfahrung, professionellste Ausrüstung und hatten, anders als ich, nicht das Ziel, ein bisschen Spaß zu haben. Die nahmen das bitterernst. Eine junge Frau neben mir hatte so ne Art "personal trainer" direkt mitgebracht. Die beiden sprachen ca. 27 Mal den Ablauf des Umziehens durch. Wie soll sie den Helm anlegen, wie die Startnummer, wann die Füße abtrocknen, wie soll sie sich aufs Rad schwingen...etc. Zwei weitere, junge, durchtrainierte ex-Schul-Leichtathletik-AG-Top-Sportlerinnen mit blond gefärbten Haaren unterhielten sich derweil darüber, dass sie ja ihren 8-jährigen Töchtern Rennräder gekauft hätten: "Sonst haben die ja mal gar keine Chance im Wettkampf." Wahnsinn. Ich glaub, als ich 8 war, dachten meine Eltern vielleicht zum ersten Mal daran, mir die Stützräder abzumontieren.
Davon abgesehen lief es aber super. Wenigstens der ein oder andere wollte wie ich einfach nur die Erfahrung machen. Zwei Frauen in meiner Startgruppe fuhren die Strecke mit ihren Damenrädern und liefen gerade los, als ich das Ziel erreichte. Und am Ende bekam jeder ein schönes T-Shirt... extra in Größe XS bestellt, und es reicht mir doch mal wieder bis zu den Knien.
Mit meiner Gesamtleistung bin ich zufrieden, weil ich weiß, dass ich auch irgendwie viele Sachen verkehrt gemacht hab, die ich einfach nicht besser wusste. Zum Beispiel beim Umziehen einfach nur zu trödeln. Nächstes Jahr mache ich auf jeden Fall wieder mit. Wenn ich mich dann doch mal zu mehr Lauftraining erbarmen kann, wird das bestimmt overall ganz cool nächstes Mal. Da geht noch was!!


Isabel


PS: Nein, ich hab keine Fotos von mir im Badeanzug oder wie ich mit hochrotem Kopf ins Stadion einlaufe.

currently listening: The Raconteurs- rich kid blues

Montag, 31. August 2009

4-Ohren-Test: Animal Collective - "Merriweather Post Pavillion"

Kommen wir wieder zu unserer altbewährten Rubrik "Der 4-Ohren-Test". 4-Ohren-Test bedeutet, dass wir das gleiche Album hören und unabhängig voneinander unsere Meinung kundtun. Heute beschäftigen wir uns mit dem Album "Merriweather Post Pavillion" der Band Animal Collective.

Viel Spaß!
Isabel und Sebastian

currently listening (Isabel): Oasis - Don't Go Away
currently listening (Sebastian): The Beach Boys - Good Vibrations



Sebastian: "Wenn Lebensfreude ein Lied wäre…"

Wenn Lebensfreude ein Lied wäre, wäre es ganz sicher von Animal Collective!
Die Magie des Albums „Merriweather Post Pavillion“ ist schwer zu erklären. Vielleicht ist es einfach die Konzentration auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens.
Allein schon das Cover-Motiv macht dieses Album zu einem Leckerbissen: Eine optische Täuschung, entworfen vom japanischen Psychologen Prof. Akiyoshi Kitaoka. Nach kurzem Anschauen bewegt sich alles.
„Merriweather Post Pavillion“ bringt wirklich neues. Einem unaufgeschlossenen Ohr mag diese Musik vielleicht als Witz oder zumindest mit einem Augenzwinkern betrachten, weil die Klänge einem spontan etwas kindlich vorkommen. Ich nehme diese Platte so ernst wie eine Sinfonie von Beethoven, nicht nur weil sie es technisch mit jeder Sonate klassischer Meister aufnehmen kann, sondern weil ich das antreibende Motiv des hinter dem Album und hinter Animal Collective insgesamt genau so schätze und ernst nehme wie jedes andere auch.
Beim Hören fragt man sich, wie man mit soviel übereinanderliegenden Soundschichten jeglicher Art noch solche Knaller-Hits bauen kann! Ein kunterbuntes Kaleidoskop von Klängen sprudelnd spritziger Elektronik erwartet den glücklichen Hörer, die gegen alle gängigen Pop-Konventionen verstoßen, aber dafür in der Lage sind, ein starkes Gefühl der Freude im Hörer auszulösen. Und das mit einer unglaublichen Innovativität, die leider viel zu selten eine breitere Hörerschaft erreicht. Gott sei Dank ist das wenigstens diesen drei New Yorkern nicht vergönnt.
Obwohl einem beim ersten Hören der Platte zunächst die schillernden, feuchten, lebendigen und organischen Klänge ins Ohr springen, zeichnen sich Animal Collective auch als hervorragende Poeten aus. Schon das zweite Lied des Albums „My Girls“ ist ein bezauberndes Plädoyer für etwas mehr Bescheidenheit; es sagt, dass man zum Leben nichts weiter braucht als ein kleines Haus mit seinen Lieben drin. Hier gibt’s keine Metaphern, keine Metaphysik, sondern Rückbesinnung auf Tugenden:

I don’t mean to seem like I care about material things, like a social status.
I just want four walls and adobe slabs for my girls.

Wundervoll! Nach dem, wegen der Hookline „Noone should call you a dreamer“ ebenso ermunternden „Also Frightened“ kommt die herzerwärmende Single des Albums und damit ein weiteres Stück mit absolutem Hit-Potenzial: „Summertime Clothes“, in welchem jede Strophe immer auf den gleichen simplen Willen hinausläuft:
“And I want to walk around with you”
Auch das Video zu Summertime Clothes kann sich sehen lassen: Ein Rausch aus unerklärlichen Dingen, aus Rätseln. Seltsame Figuren tanzen in seltsamen sphärischen Gewändern umher. Es ist wie jede gute Kunst, sie stellt mehr Fragen, als sie beantwortet. Genau das machen Animal Collective, und das auch noch laut und bunt!
Während Oasis, Coldplay und Konsorten im Gegensatz zu diesem Meisterwerk nach grauem Establishment schmecken, dreht dieses tierisch gute Kollektiv mit intensivem polyphonen Gesang und jeder Menge Enthusiasmus voll auf. Harmonietechnisch gaukeln Animal Collective einem nichts vor, sondern lassen dem Hörer viel Interpretationsfreiraum. Trotzdem kann man nicht widerstehen, nach ein paar Mal hören mitzusingen, wie in „Lion In A Coma“:

“Lion in a coma, lion in a coma, don’t keep lying in a coma!”

“Merriweather Post Pavillion” will uns sagen, dass wir Menschen uns nicht einbilden sollten, dass wir besser seien als Tiere, dass wir uns überhaupt nicht für irgendetwas Besseres halten sollten. Lifestyle-Erscheinungen und Trends werden mit Witz und Ironie eine radikale Abfuhr erteilt, wie in „Taste“:

My friend and me were having laughs
In a living room filled with arts and crafts
He said, "I like their clothes and their charming ways”,
But what I really want is a simple place,
With no fashion clothes 'cause you can't eat those.

Merriweather Post Pavillion ist große Kunst. Für den Hörer, der offen für neues ist, offenbaren die drei New Yorker eine innovative Sensation der Superlative. Dieses Album ist abgespaced und doch intelligent, exotisch und doch liebenswert, künstlerisch und doch absolut natürlich.
Gegen Ende der Platte spürt man schon, dass man etwas ganz Großes gehört hat, und das noch bevor man das furiose Finalstück erreicht hat: Das knapp 6-minütige „Brother Sport“, was nichts Geringeres als eine Ode an das Leben selbst ist. Hierzu fehlen mir nun wahrlich die Worte für eine der Sache gerecht werdende Beschreibung.
Beenden möchte ich diese Rezension mit den Zeilen, mit denen auch ein Album endet, das für Kritiker vielleicht das beste Album 2009 sein mag, mich aber ein Leben begleiten wird, weil es mich immer mit staunender Freude zurücklässt:

Until fully grown
You got a real good shot
Won't help to hold inside
Keep it real, keep it real, shout out!



Isabel: „Tierisch nervig“

Eine zeitlang habe ich in einem Büro gearbeitet. Die Arbeit am PC war relativ monoton, aber zum Glück gibt es ja Internetradio. „The Alternate Side“ hat mir damals wahrscheinlich das Leben gerettet. Doch selbst das beste Internetradio ist scheinbar nicht gewappnet vor der Radiokrankheit schlechthin: sich selbst zu wiederholen. Bei The Alternate Side liefen deshalb ständig Animal Collective mit „Summertime Clothes“. Wieder und wieder und wieder. Der Moderator der Sendung musste jedoch selbst immer wieder einräumen: „Animal Collective scheiden die Geister.“ Meiner hat sich schließlich fürs genervt-sein entschieden, und das entschlossen.
Wie der Name der Band schon sagt, sind Animal Collective ein riesiger Affenzirkus. Die Musik wabert nur so vor sich hin mit ungeordneten Synthie-Geräuschen und Effekten, die nie gezielt eingesetzt werden, sondern von Anfang an ein großes Ganzes and noise-Kulisse formen. Für den Hörer wird das mit der Zeit ganz schön anstrengend. Besonders akut wird das bei „Brother Sport“. Der Gesang ist skandierend, gleichzeitig mit call-answer-Technik versehen und wirkt einfach nur nervig, weil es eine einzige endlos-Schleife ist. Dahinter steigert sich langsam aber sicher die Masse an Geräuschen und Klängen und geht auf die Nerven. Keine Chance, dass im Hintergrund laufen zu lassen. Das ist wie eine Platte, die hängen geblieben ist.
Die Melodien von Animal Collective, wie zum Beispiel bei „Brother Sport“ sind gar nicht so verkehrt, aber es fehlt an Entwicklung und Einfallsreichtum. Einzelne Zeilen werden immer wieder wiederholt, bis meistens die 5 Minuten-Marke längst überschritten ist. Was angesichts der Tatsache, dass in den Songs absolut nichts Nennenswertes passiert, irgendwie Zeitverschwendung ist. Der Gesang ist darüber hinaus in allen Liedern konstant in derselben Tonlage, was das ganze Album nicht wirklich abwechslungsreicher macht. Oft wird die Stimme einfach gedoppelt und wirkt durch einen Synthie-Effekt enorm unmenschlich.
Aber ich will Animal Collective nicht durch und durch schlecht reden. Das Problem besteht meiner Ansicht nach einfach darin, dass ein ganzes Album davon aber einfach nur tierisch nervt. Die Band scheint sich auf einem riesigen Trip zu befinden, von dem sie nie richtig runter kommt. Es gibt keine Erholung für den Hörer, der immer neue Geräusche auf die Ohren bekommt und irgendwie wegstecken muss. Da bleibt keine Zeit zum Durchatmen. Animal Collective haben ein gewisses Potential, das meiner Ansicht nach mit „Merriweather Post Pavillion“ noch nicht ausgeschöpft ist. Hier scheint die Band erstmal jeden Knopf auf jedem Synthie gedrückt zu haben, um zu sehen, wie der denn klingt. Und auf Biegen und Brechen wurden Songs draus gemacht. Das macht Hoffnung, dass sie beim nächsten Werk vielleicht schon besser wissen, was sie gerade tun und an ihrer Vielseitigkeit arbeiten können.
Wer schöne Synthies hören möchte, der höre doch so lange lieber One in a Googolplex.


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Und hier nun, ohne Wertung, das Video "Summertime Clothes":

Sonntag, 30. August 2009

Oasis - I hope, I think, I know

Dass Oasis sich scheinbar jetzt, nach 18 Jahren, getrennt haben, ist mir nicht egal. Ich bin zutiefst geschockt. Und traurig. Ich kanns nicht fassen. Und ich realisiere, dass es mir einfach nicht wirklich egal ist. Dass Oasis sich trennen...das ist ganz und gar nicht cool.
Ich hab mir, seit ich davon gehört habe, mal ein paar Gedanken gemacht. Wie das so kam, mit Oasis. Eigentlich war ich nämlich Robbie Williams Fan, und Oasis waren nur so ein großer Band-Name, den man halt schonmal gehört hatte. Zu der Zeit (Anfang 2002) hab ich unglaublich exzessiv MTV geschaut. Und da lief dann irgendwann auch "The Hindu Times". Zu der Zeit habe ich mir Singles statt Alben gekauft. Also habe ich "The Hindu Times" gekauft. Ich fand den Song und die B-Sides großartig. Eigentlich ein riesiger Glücksgriff, denn Oasis B-Sides sind bekannt dafür, die A-Sides meistens gnadenlos in den Sack zu stecken. Aber ich war trotzdem noch echt pragmatisch, was Oasis angeht. Ich beschloss nämlich dann doch, ein Album zu kaufen. Aber wie. Ich fuhr in den Globus und entschied mich für das beste Preis-Leistungsverhältnis. Ich erinner mich so gut daran, wie ich da stand und hab 5 Alben in den Händen gehalten und eins nach dem anderen die Lieder gezählt und mit dem Preis verglichen. Und "Be here now" gekauft: 12 Songs für 6,99Euro. Nice Price für ein Album. Ich wusste damals nichtmal, dass mal Liam, mal Noel singt. Dass es das dritte Oasis-Album war. Dass es im Vergleich ein eher untypisches, lautes, dichtes, gitarrenlastiges Oasis-Album war. Und ich hab es geliebt. Ich liebe es. Danach dachte ich mir: "scheiß auf nice price!" und hab mir einfach alles gekauft. Jedes Album. Ich war völlig begeistert von dem, was ich da zu hören bekam. Liam trällerte Sachen wie:

You need to be yourself,
you can't be no-one else.

Und:

You gotta roll with it, you gotta take your time, you gotta say what you say, don't let anybody get in your way.


Es war diese typische Oasis-Fuck-off-Attitüde, die mich begeisterte. "We're the best band in the world!" Ja! Ja! Ja! Da konnte man nicht widersprechen, die hatten einfach recht!
Und ich glaub, diese Einstellung, dieses "you need to be yourself", das wars. Diese verdammte Band aus Manchester gab den Anstoß zum Erwachsen-werden. Oder zumindest zum irgendwas anderes werden als ich bis dahin war: besessener Robbie Williams Fanatiker und Chart-Musik-Hörer. "You need a little time to wake up, wake up..."
Das klingt jetzt alles irgendwie übertrieben. Aber ich schwöre, dass es so war. Ich hab bestimmt nicht unter mangelndem Selbstbewusstsein gelitten, aber Oasis gaben den extra-Boost. "Walking to the sound of my favourite tune..." war immer ein Oasis-Tune. Ich hab alle DVDs, und ich glaub, ich habe meine Familie zeitweise nicht wenig in den Wahnsinn getrieben. Ich hab meine Freunde reihenweise missioniert und sie so lange mit Oasis genervt, bis sie mir glaubten. Ich hab mein Zimmer mit Postern von Oasis tapeziert und die hängen heute noch da. Als ich vor einem Jahr umgezogen bin, wurde das neue Zimmer mit Oasis tapeziert. Ich habe mir verdammt nochmal vor drei Tagen erst ein neues Oasis-Poster gekauft. Ich habe eine zeitlang jeden zweiten Tag in der Schule ein Oasis-T-Shirt getragen mit der Aufschrift: "we're Oasis, thank you, fuck you, have a nice day". Ich bin auf dem Oasis-Konzert im Oktober 2005 fast gestorben, weil die losspringende Menge mich fast zu Boden gezerrt hätte und ich wirklich wirklich Angst hatte, dass ich da nie mehr lebend rauskomme. An meinem 18. Geburtstag lief um Punkt 12 Uhr "Turn Up the Sun".
Ich bin nicht mehr so schlimm, wie ich mal war, glaube ich. Aber Oasis-Begeisterungsphasen kommen immer wieder vor. Und immer wieder stelle ich fest, dass sie tatsächlich die beste Band der Welt sind. Und bleiben werden. Für immer. Ich schau mir jetzt "Familiar to Millions" an.


You and I are gonna live forever.

Isabel


currently listening: Oasis- I hope, I think, I know



Dienstag, 25. August 2009

4-Ohren Test: Bright Eyes - "Digital Ash in a Digital Urn"

Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Und auch wenn sie in dieselbe Richtung gehen, wie das bei uns wahrscheinlich der Fall ist, so gibt es doch immer wieder Bands oder Alben, über die wir unterschiedlicher Meinung sind. Deshalb gibt es hier auf Reflektorschild nun zum ersten Mal einen sogenannten "4-Ohren-Test". Das heißt: Wir hören dasselbe Album und sagen unabhängig voneinander unsere Meinung. Hier also die Premiere: Bright Eyes mit "Digital Ash in a Digital Urn".

Viel Spaß!
Sebastian und Isabel

currently listening (Isabel): Arctic Monkeys - Crying Lightning
currently listening (Sebastian):
Killed By 9 Volt Batteries - This City Is Lit When You're On Top Of It



Isabel: "Easy/Lucky/Free"

Ich weiß es noch genau: Es war der 24. Januar 2005, als Bright Eyes gleichzeitig „I’m wide awake, it’s morning“ und „Digital ash in a digital urn“ veröffentlichten. Zwei Tage nach meinem 17. Geburtstag bekam ich mit diesen Alben wahrscheinlich eins der schönsten Geschenke überhaupt.

Musikkritiker lieben es ja, die Alben irgendwie einzuordnen. Logische Konsequenzen zu vorherigen oder anderweitig bekannten Werken zu ziehen. Ich mag das auch, muss ich gestehen. Bei „I’m wide awake…“ war das auch gar nicht schwer. Die folkigere der beiden CDs ist eindeutig und unverkennbar die einzig logische Konsequenz zum Vorgängeralbum „Lifted, or the story is in the soil, keep your ear to the ground“. Da konnte man sich also erstmal über die schlichte Schönheit typischer Conor Oberst-Klänge freuen. Und wie!

Aber schon das Cover von „Digital ash…“ machte klar: Hier ist was anders. Das hier ist nicht der folk-country-singer/songwriter Conor, wie man ihn kennt. Alles beginnt mit einer quietschenden Tür, Schritte, hektische Atemgeräusche. Man fühlt sich unwillkürlich an „The Dark Side of the Moon“ erinnert, als man jemanden weglaufen hört. Herzklopfen (auch bei mir, aber auch in der Musik). Irgendwann formen sich dumpfe Töne zu einer Melodie und die Stimme von Conor Oberst ist zu hören: „Death. Data entry. Ant hill law….“ Es macht nicht wirklich Sinn, und es entfremdet. „Schh…don’t talk, don’t talk.“, sagt Oberst schließlich, und der Beat startet. Dieser Beat, ist der „digital“? Was ist denn eigentlich „digital“? Klar, man erwartet Elektronik, Beats, genau. Lots and lots of computer noise. Und was das Verrückte an diesem Album ist? Man hat im ersten Moment den Eindruck, genau das zu bekommen. Denn gerade der Beat, der so bestechend betont wird, der fast jedem Song treibt und zum besonderen Etwas führt- der ist da. Doch wenn man ganz genau hinhört, dann stellt man fest: nix Computer! Das ist ein ganz normales Schlagzeug. Oder halt: es sind genau genommen zwei ganz normale Schlagzeuge. Die mal miteinander, aber meistens ergänzend spielen. Und somit den Beat herstellen, der sich so „static“ anhört wie ein PC-Beat, aber keiner ist. Genauso geht es übrigens auch mit den anderen Instrumenten: Das wenigste hier sind Synthies. Das meiste sind Gitarren, Piano und Bass, die höchstens in ihrem Klang entfremdet wurden, aber immer noch Gitarren, Piano und Bass bleiben. Ich glaube, hier ist der kleine, aber feine Unterschied zu dem, was man vielleicht „Elektro“ nennen würde. Was hier aber schlichtweg „digital“ ist.

Aber Bright Eyes wären nicht Conor Oberst deluxe, wenn da nicht die Texte wären. Die Stimmung des Albums ist düster, und das liegt wohl vor allem an den Texten. Wenn man eine gewisse Empfindsamkeit von Seiten des „spokesman for a generation“ gewohnt ist, so ist man dennoch von der unverblümten Offenheit dieser Songs erstmal gepackt. Oberst thematisiert vor allem Persönliches. Dabei sticht vor allem „Hit the switch“ heraus, indem er seinen Hang zum Alkohol thematisiert:

Cause there's this switch that gets hit
And it all stops making sense
And in the middle of drinks
Maybe the fifth or the sixth
I'm completely alone
At a table of friends
I feel nothing for them
I feel nothing!
Nothing!

(auf der Tour zu „Digital ash…“ bin ich Conor Oberst schließlich zum ersten Mal selbst begegnet- im volltrunkenen Zustand. Das war leicht desillusionierend, muss ich gestehen.)

Gleichermaßen deutlich wird seine scheinbar innere Zerrissenheit auch in „Devil in the Details“, wo es heißt:

But know there's no backing out

This is gonna be reality

You can never dream it down


I have - no way

Of telling - the two – apart

Auf der anderen Seite fordert er: „Take it easy (love nothing)“. In dem Song geht es darum, dass er (oder das fiktive „I“?) von einer älteren Frau verführt wird.

Left by the lamp, right next to the bed On a cartoon cat pad she scratched with a pen "Everything is as it's always been This never happened" "Don't take it so bad, it's nothing you did It's just once something dies, you can't make it live You're a beautiful boy, you're a sweet little kid But I am a woman"

Gelöst wird das Problem gegen Ende des Songs dann mit den Worten:

No it isn't so hard to get close to me There will be no arguments, we will always agree And I will try and be kind when I ask you to leave We will both take it easy But if you stay too long inside my memory I will trap you in a song tied to a melody And I'll keep you there so you can't bother me

Mein persönlicher Liebling auf dem Album ist “Ship in a bottle”. Es ist wahrscheinlich auch das schrägste Lied, was vermutlich an dem Zwischenspiel liegt, in dem man ein Baby schreien hört.

Das folgende „Light Pollution“ kommt im Gegensatz dazu richtig poppig daher. Den Abschluss des Albums bildet schließlich „Easy/Lucky/Free“, indem Oberst resümiert über…sich? Die Welt? Das Leben eines zu dem Zeitpunkt gerade mal 24-jährigen, der mit seinem bereits 5. Studioalben wieder einmal sämtliche Erwartungen übertroffen hat? Wahrscheinlich von jedem etwas. Dieses Album ist einfach nur wahnsinnig, wahnsinnig gut.



Sebastian: „Hurra, hurra, das Leben stinkt!“


„Digital Ash In A Digital Urn“ ist eine gemeine Falle. Auf so was bin ich zum letzten Mal bei James Blunt reingefallen. Auf den ersten Blick ist es scheinbar interessante Musik mit originellen Arrangements. Die Lyrics sind an sich meist gut, oft stellar und universal. Alles andere entpuppt sich bei näherem Hinhören auf emotionsloses Synthesizer-Gefrickel mit einem Conor Oberst, der singt, als ob er mit dem falschen Fuß aufgestanden ist. Denn von vorne bis hinten gibt es nichts anderes als Obersts permanente gefühlsduselige Pseudo-Larmoyanz auf die Ohren, was das Hören dieses Albums ungefähr so angenehm macht wie das Beißen auf Alu-Folie. Dabei hätte es eigentlich ganz gut werden können. Wenn es von Radiohead wäre, zum Beispiel.

Natürlich ist so ein Ausnahmealbum (was es ja dank Obersts fehlgeleiteter Experimentierfreude durchaus ist) erfolgreich und wird von allen gelobt. Oberst sponsort mit seinem Gejammer für mich aber nichts weiter als den Soundtrack zum spaßverdrossenen Emo-Dasein vieler verwirrter Teenies.

Peinlich pathetisch und pubertär solipsistisch hämmert sich Oberst durch die 15 Tracks, die allesamt einen noch engeren Horizont an Emotionen aufweisen, als eine Best-Of Sendung von Maxi Arlands Musikantendampfer im MDR. Vielleicht wurde Oberst in der Schule immer gehänselt oder hat als kleines Kind zu viele schlechte TV-Dramen gesehen und muss das an uns jetzt auslassen. Sein nach Aufmerksamkeit schreiender Gesang erinnert an Babygeschrei (welches man im Übrigen auch hören kann im Lied „Ship In A Bottle“).

Zugegeben: Es gibt ein paar gute Momente auf diesem Album. Diese reichen aber bei weitem nicht aus, um das ganze Album mitzutragen. Außerdem ist es eine schlechte Prämisse, wenn Oberst, was er ja im Stern-Interview selber zugibt, nicht weiß, was er mit seiner Zeit anfangen soll, unter der er ein Album aufnimmt. Dieses Phänomen sehen wir heute leider oft genug: Mir ist langweilig, also schreibe ich ein Buch über meine Langeweile. In unserem Fall einen Song. Das ist nicht weise. Hat dich heute Morgen im Bus jemand böse angeschaut? Dann mach ein Album daraus und verklag die ganze Welt!

Elektro-Fans dürften diese Platte wegen ihrer beschränkten Arrangements sowieso belächeln. Man hat das Gefühl, als ob das gesamte Album auf nur 30% Leistung laufe. Wann kommt endlich die reißerische Wende, fragt man sich, die Explosion, das Ausbrechen aus diesem Käfig der seichten Klänge und dem öden Lamentieren. Aber es gibt keine. Die Platte geht, wie sie gekommen ist: Völlig belanglos. Ein Ärgernis für jeden Radiohead-Hörer.

Um diese total facettenarme Platte bis zum Ende durchzuhören, bedarf es einer Ausdauer von 50 Minuten und Nerven aus Stahl, um sich nicht durch diese langweilige und introvertierte Musik einnnehmen zu lassen. Zwar interessiert mich Obersts egozentrisches Geplänkel in etwa soviel wie die Ergebnisse der letzten finnischen Dampfsauna-Meisterschaften, kann mich aber einer gewissen Wut auf sein hohles Weltschmerz-Gewinsel nicht entziehen.

Nach 3 Minuten und 30 Sekunden im letzten Lied „Easy/lucky/free“ bekam ich dann endlich doch einmal kurz gute Laune, weil es sich wie ein Fade-Out anhörte, der das Ende der Platte verhieß, aber das war auch eine Falle! Denn der alte Trapper Oberst musste noch einmal mit seiner schwarz-weiß-malerischen Wehleidigkeit loslegen, damit auch wirklich der letzte Tropfen gesunden Menschenverstandes auf dem heißen Stein von „Digital Ash in A Digital Urn“ verdampft.

Menschen mit Depressionen sei beim Anhören dieses Tonträgers dringend geraten, für den Notfall eine DJ-Ötzi-Platte neben den CD-Player zu legen.




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Und hier, ganz ohne Wertung: "Easy/Lucky/Free"












Montag, 24. August 2009

Kino auf der Burg

Freiluftkino, und das noch auf einer Burg - klingt doch super! Preislich war der Spaß auch nicht teurer als die sowieso horrenden Kinotarife, und "Willkommen bei den Sch'tis" hatten meine Freundin und ich auch noch nicht gesehen. Dazu kam am besagten Tag strahlender Sonnenschein - also auf nach Siersburg zum SR1-ultra-Event: "Kino auf der Burg".
Doch jetzt, so im Nachhinein, war das alles schon recht bizarr. Erstmal haben wir die Burg nicht gefunden. Das ist peinlich. Aber die Hinweise auf einen Parkplatz für das Kino waren auch winzig. Schließlich parkten wir also auf einem größeren Platz vor einer Halle. Dort hatten zwei Jugendliche doch tatsächlich gerade ihr Schlauchboot ausgebreitet. (!) Im ersten Moment realisiert man sowas gar nicht richtig...aber: was haben die da gemacht?
Wir waren wahrscheinlich zu verstört, um das wirklich zu hinterfragen. Stattdessen haben wir unsere tausend Pullis und Jacken und Decken und Sitzkissen gepackt und sind auf die Burg marschiert. Auf dem sogenannten "Panoramaweg", der uns in dem Moment aber eher gestresst hat, weil wir weder körperlich noch seelisch (Tinti!) auf den Aufstieg vorbereitet waren. Und oben feststellen mussten, dass wir irgendwie aus einem ganz anderen Loch kamen als der Rest des Publikums. Irgendwas lief da schief.
Naja, auf der Wiese der "Burg" (ich halte die Bezeichnung für einen Euphemismus) war dann eine riesige, echt coole Leinwand aufgebaut und Stühle und natürlich Bierstand, Popcorn etc. Sobald wir saßen, zog im 5-Minuten-Takt einer von uns die nächste Lage Kleider über, weil es doch zunehmend kälter wurde. Da halfen selbst Gummibärchen und Schokolade und Smarties und grüner Engergy-Kaugummi nicht wirklich. Der Film ging dann auch erstmal gar nicht los. Stattdessen wurde zunächst ein saarländischer "Kurzfilm" gezeigt, der mit 30 Minuten eindeutig Überlänge hatte. War nicht schlecht, aber am Ende auch nicht wirklich der Brüller. Egal, jetzt war es auch dunkel und aufgrund der Kälte rührten wir uns sowieso nicht mehr vom Fleck. Es konnte losgehn.
"Willkommen bei den Sch'tis" ist echt lustig. Das bestreite ich gar nicht. Auch originell und echt gut gemacht. Und bis dahin schien auch das Publikum eigentlich normal. Im Schnitt waren die meisten wohl eher im Alter unserer Eltern, oder so um die 40. Heißt ja nix, aber je länger der Film lief, umso mehr steigerte sich das Publikum herein. Was mit normalem Lachen hier und da begann, steigerte sich zum Jubeln, Jauchzen, Johlen, Kreischen, Schreien:"Oh Gott, ich hab Tränen in den Augen!". Da wackelten die Plastikstühle! Um uns herum schien alles auf einem ziemlichen Trip zu sein. Und ich zähle mich eigentlich nicht zu den: "hey wir sind cool wir lachen nie"-Leuten. Im Gegenteil. Aber die Reaktion dieses Publikums war schon irgendwie...extrem. Mitunter verstörend war auch der mit sich selbst redende Typ neben Tinti, der lachend seine kalte Pizza aus der Alufolie auspackte und genüsslich verdrückte, während der Film weiterging. Wir kauten derweil nervös unsere grünen, neuen, geilen Energy-Kaugummis und versuchten, dem Film zu folgen.
Unsere größte Sorge war ja, das Auto nicht mehr zu finden. Zum Glück stellte sich die als unbegründet heraus und gegen Mitternacht erreichten wir den Parkplatz. Die Schlauboot-Kapitäne waren mittlerweile auch weggepaddelt. Na geht doch.

Isabel


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