Jetzt reicht’s! Ein für allemal. Oft genug habe ich nun versucht, Mitmenschen klarzumachen, wie toll und sehenswert die Fernsehserie „Star Trek“ ist. Der Erfolg war eher dürftig. Es gab eigentlich keinen Erfolg. Ehrlich gesagt hat man sich stattdessen oft über mich lustig gemacht. Daher habe ich nun beschlossen, das hier zu schreiben, um mir zukünftige Mühen zu sparen. Ich werde also nur noch auf diesen Text verweisen, mit dem ich ein letztes Mal zu erklären versuchen möchte, warum Star Trek so cool und so hip wie wenig anderes auf dieser Welt ist.
Das Original: Die Besatzung des ersten Raumschiffs Enterprise
Als Uneingeweihter kann man schnell zur Auffassung gelangen, Star Trek sei nur etwas für Streber und Nerds, die sich verkleiden und auf Treffen gehen, um sich dort selbst zu feiern und sich in seltsamen Sprachen zu unterhalten. Völliger Blödsinn! Auch wenn es solche Ultras gibt, ist die Serie in erster Linie etwas für Optimisten, Neugierige, intellektuell Aufgeschlossene, Hipsters und solche, die es werden wollen.
Alles fing im Jahre 1966 an, als Captain Kirk mit seinem Raumschiff Enterprise zum ersten Mal über die Bildschirme des amerikanischen Fernsehens flimmerte. Die Serie war schon damals ihrer Zeit weit voraus. So zeigte sie den ersten Kuss zwischen einem weißen Mann und einer schwarzen Frau im US-Fernsehen. Viele Bundesstaaten verboten damals eine Ausstrahlung der betreffenden Folge. Erwähnenswert ist auch, dass die Macher sich mitten im Kalten Krieg dazu entschlossen haben, einen Russen ans Steuer der Enterprise setzten. Es ist heute schwer vorstellbar, aber die ausgiebige Darstellung von freizügigen Frauen und Minderheiten im Fernsehen überraschte zu jener Zeit und war ziemlich mutig. Bei Verstößen gegen Konventionen haben die Studiobosse ganz schnell die Lampen ausgeknipst. Die Pappkulissen waren derweil billig und die Effekte trashig. Aber allein schon die Gewissheit des Kultstatus und die retrofuturistischen Elemente machen es absolut sehenswert, wie Captain Kirk außerirdischen Sklavenmädchen mal wieder zeigt, wie Liebe geht.

Ein Jahrhundert später: Die Crew aus Star Trek – The Next Generation
Viele Outsider machen den großen Fehler, und werfen Star Trek in einen Topf mit Star Wars, Stargate, und wie sie alle heißen. Doch Star Trek spielt nicht vor langer, langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis. In Star Trek geht es auch nicht um „wars“, um Kriege. Im Gegenteil: Seit über 40 Jahren zeigen uns die Helden der Sternenflotte nun, was echte Toleranz bedeutet, und setzen sich für Frieden und Menschenrechte in der Milchstraße ein. (Warum Star Wars populärer ist als Star Trek ist noch mal ein extra Essay wert. Es hat etwas mit niederen Instinkten zu tun.)
Die Serie betrachtet auf eine einzigartige Art und Weise philosophische Fragestellungen. So werden viele philosophische Dilemmata beleuchtet, die in unserem Alltag jedoch kaum auftreten dürften. Star Trek lässt uns ein Problem ganz pur betrachten. Das ist sehr spannend, da es uns zu denken anregt. Wie z. B. soll ein Arzt handeln, wenn er zwei sterbende Patienten hat, jedoch nur einen retten kann? Ab wann darf und soll man sich in die Angelegenheiten anderer Völker einmischen? Ist Mr. Spocks Argumentation „Das Wohl der Vielen wiegt mehr als das Wohl der Wenigen“ immer berechigt? Star Trek setzt mit jeder Folge ein Zeichen für Humanität, entlarvt Angst als Machtinstrument, zeigt warum Unterdrückung nicht funktioniert, warum Umweltschutz wichtig ist. Es geht darum, tolerant und offen für neues zu sein. Aristoteles wäre ein Riesen-Trekkie.
Natürlich ist bei weitem nicht jede Folge eine dieser knallbunten Philosophiestunden. Meistens macht Star Trek einfach nur Spaß. Es ist ein Garant für spannende Abenteuer und wunderbar trockenen Humor. Für letzteres sei der holografische Doktor des Raumschiffs Voyager empfohlen.
Ein kunterbuntes Allerlei: Die Crew aus Star Trek – Deep Space Nine
Star-Trek-Fans müssen keine Nerds sein. Okay, ich bin ein schlechtes Beispiel dafür, aber als Fan
in guter Gesellschaft. Natürlich ist Star Trek ist nicht für jedermann geeignet. Star Trek-Fans benötigen eine längere Aufmerksamkeitsspanne als der typische Transformers-/Bruce-Willis-Fan, da tiefgehender. Zugegeben: Auch ich tat mich anfangs schwer. Für einen Neuling ist es in der Tat zunächst nur schwer zu verstehen. Ich kann nur raten: Geduldig sein. Je mehr Folgen ich gesehen hatte, desto mehr fuhr ich darauf ab. Wer lange genug durchhält, der wird erleuchtet. Leider sehen viele das Ganze nur sehr oberflächlich, schalten nach 2 Minuten ab, weil die Leute lächerlich aussähen, das ganze Gequatsche über Musterpuffer und Warp-Blasen langweilig sei oder beides.
Ich hingegen übertreibe nicht, wenn ich sage, dass Star Trek mein Leben entscheidend geprägt hat. William C. Thompson,
Comptroller der Stadt New York, hat diese Beeinflussung wohl am schönsten ausgedrückt:
“You had space travel, you had planets, you had a guy like Spock, who was half human and half Vulcan, and you’re a 14-, 15-year-old kid sucking it all in…It opened up new frontiers, and it made you think.”A long way home: Die Mannschaft von Star Trek - Voyager
Mir persönlich gefällt das Spin-Off „Deep Space Nine“ am besten, aber das ist Geschmackssache. Deep Space Nine ist eine große Raumstation, ein New York des 24. Jahrhunderts, ein interstellarer Melting-Pot, in dem sich die lustigsten und einzigartigsten Gestalten der Galaxie tummeln. Zentrum des Geschehens ist das „Promenadendeck“, in dem sich Restaurants, Bars, Geschäfte und mehr befinden. Das Promenadendeck war übrigens das seinerzeit größte, ständig aufgebaute Set in ganz Hollywood.
Jeder kann mir kommen, womit er will – Lost, Dr. House, 24 – keine mir bekannte Serie hat annähernd soviel Charme wie Star Trek. Okay, vielleicht noch Father Ted aber sonst keine. Doch, Firefly, aber sonst keine.
Aufbuch ins Unbekannte: Die Crew von Star Trek – Enterprise
Neben den Fernsehserien tragen mittlerweile auch 11 Kinofilme den Namen Star Trek, die den Fernsehserien aber nicht ganz das Wasser reichen können.
Durch die vielen Geschichten ist das Star Trek-Universum mittlerweile unglaublich komplex und vielschichtig. Es ist für jedermann etwas dabei. Kulinarier beispielsweise können mit Star Trek neue Arten von Gerichten kennenlernen, wie Jibilianisches Sieben-Gewürze-Omelett, Delvanianischer Schaumkuchen, Bajoranischer Shrimp oder Laurelianischer Pudding.
Das für mich so Faszinierende an Star Trek ist, dass es unendlich viele Geschichten aller Art zu erzählen gibt. Hinter jeder galaktischen Ecke wartet eine neue Spezies mit ihren Eigenheiten darauf, mit der Sternenflotte in Erstkontakt zu treten. Vulkanier, Klingonen, Ferengi, … Die Star Trek-Utopie kann uns soviel erzählen und vereint die verschiedensten Genres in einer Show: Action, Abenteuer, Krimi, Love Story, Drama, Komödie, und natürlich Sci-Fi der Gigaklasse.
Reboot: Die neue alte Crew des neuen Star Trek Kinofilms
Was viele nicht wissen ist, wie stark „Raumschiff Enterprise“ zu unserer heutigen Gesellschaft beitrug. So nahm der Erfinder des Handys Captain Kirks Kommunikator zum Vorbild. Apple-Gründer Steve Jobs wurde von Star Trek inspiriert, so wie auch zahlreiche Ingenieure der NASA. Das liegt daran, dass die Macher immer physikalisch einleuchtende und stimmige Funktionsbeschreibungen für die Technologie des 24. Jahrhunderts mitgeben.
Der wohl genialste Kopf von allen: Der liebenswert-lässige Katzenbesitzer/Android „Data“
All diejenigen also, die schon immer mal wissen wollten, wie man seinen Maschinenraum von Talaxianischen Pelzfliegen befreit, was das beste Heilmittel gegen mendakanische Windpocken ist, was man beachten sollte, wenn man einen Denobulaner aus dem Winterschlaf aufweckt, oder einfach nur, was Menschlichkeit bedeuten kann, sind bei Star Trek an der richtigen Stelle.
Ich würde jetzt am liebsten noch meine Lieblingsfolgen aufzählen, erklären, was dort passiert; erklären warum fast alle Aliens zwei Arme und zwei Beine wie Menschen haben, und viele lustige Zitate anfügen, die wahrscheinlich keiner lustig findet, aber es ist schon offensichtlich genug: Ich mag Star Trek. Jeder sollte sich einmal die Frage stellen, ob er auch bereit dazu ist.
„Alles was ich im Leben wirklich brauche, habe ich von Star Trek gelernt.“
- David Marinaccio
currently listening: Joy Division - Transmission
Sebastian
Alle Fotos: (c) CBS Paramount